Jeden Abend um 20 Uhr ertönt sie – die unverkennbare Tagesschau-Melodie. Und dann erscheint ein „Tagesschau Sprecher“ vor der Kamera, ruhig, sachlich, glaubwürdig. Für Millionen Menschen in Deutschland ist dieser Moment ein Ritual, fast schon ein Stück Heimatgefühl. Doch wer sind eigentlich die Frauen und Männer, die uns seit Jahrzehnten durch die wichtigsten Nachrichten des Tages führen? Dieser Artikel nimmt Sie mit hinter die Kulissen der wohl bekanntesten Nachrichtensendung im deutschsprachigen Raum und zeigt, warum die Tagesschau Sprecher weit mehr sind als nur „Vorleser“.
Die Geschichte der Tagesschau Sprecher – Von den Pionieren bis heute
Die Tagesschau startete am 26. Dezember 1952 – damals noch in Schwarz-Weiß und gerade mal 20 Minuten lang. Der erste Sprecher war Karl-Heinz Köpcke, ein Mann mit sonorer Stimme und ernstem Blick, der schnell zum Inbegriff der neuen Sendung wurde. Er moderierte sage und schreibe 3.287 Ausgaben – ein Rekord, der bis heute unübertroffen ist.
Mit den Jahren wechselten die Gesichter, aber eines blieb gleich: Die Tagesschau Sprecher standen und stehen für Kontinuität in einer sich rasend schnell drehenden Welt. Namen wie Dagmar Berghoff (die erste feste Sprecherin ab 1976), Judith Rakers, Jan Hofer oder Jens Riewa sind heute aus dem deutschen Wohnzimmer nicht mehr wegzudenken.
Was macht einen guten Tagesschau Sprecher eigentlich aus?
Ganz einfach: Perfektion. Aber das ist leichter gesagt als getan. Wer vor der Kamera der 20-Uhr-Tagesschau sitzt, muss mehrere Superkräfte gleichzeitig besitzen:
- Absolute Neutralität und Objektivität
- Eine Stimme, die auch bei Katastrophenmeldungen ruhig und vertrauensvoll klingt
- Blitzschnelles Lesevermögen (oft werden Texte erst Minuten vorher fertig)
- Keine sichtbare Nervosität – selbst wenn im Hintergrund das Studio brennt (fast wörtlich, Stichwort: Technikpannen)
- Ein Gesicht, das seriös wirkt, aber nicht einschüchternd
Kurz gesagt: Der Job ist ein Drahtseilakt zwischen Journalist, Schauspieler und Psychologe.
Der harte Weg zur Tagesschau – Ausbildung und Auswahl
Wer glaubt, man bewirbt sich einfach beim NDR und wird gleich Tagesschau Sprecher, der irrt gewaltig. Der Weg ist lang und steinig:
- Meist abgeschlossenes Volontariat bei ARD-Anstalten
- Mehrjährige Erfahrung als Hörfunk- oder Fernsehredakteur
- Interne Castings mit Probe-Moderationen vor der echten Kamera
- Stimm- und Sprechtraining (ja, das gibt’s wirklich!)
- Die berüchtigte „Probezeit“ von mehreren Monaten, in denen jede Silbe auf die Goldwaage gelegt wird
Nur etwa einer von hundert Bewerbern schafft es letztendlich ins feste Sprecherteam.
Die bekanntesten Tagesschau Sprecher aller Zeiten
Hier eine kleine Ehrenhalle – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
| Sprecher/in | Aktiv bei Tagesschau | Besonderheit |
|---|---|---|
| Karl-Heinz Köpcke | 1952–1964 | Der „Ur-Sprecher“, Rekordhalter mit 3.287 Sendungen |
| Dagmar Berghoff | 1976–1999 | Erste feste Sprecherin, brach die Männerdomäne |
| Jan Hofer | 1985–2021 | „Guten Abend, meine Damen und Herren“ – Kult! |
| Judith Rakers | 2005–2024 | Beliebteste Sprecherin der jüngeren Generation |
| Jens Riewa | seit 1994 | Längstdienender aktiver Sprecher |
| Susanne Daubner | seit 1999 | Wird oft als „die sympathischste Stimme“ gelobt |
| Thorsten Schröder | seit 2018 | Frisches Gesicht, beliebt bei jüngerem Publikum |
Ein normaler Arbeitstag im Leben eines Tagesschau Sprechers
Stellen Sie sich vor: Es ist 19:30 Uhr. Im NDR-Gebäude in Hamburg-Lokstedt herrscht Hochbetrieb.
- 17:00 Uhr: Erste Redaktionskonferenz, Themen werden gesetzt
- 18:30 Uhr: Texte kommen nach und nach rein – oft noch mit Lücken
- 19:20 Uhr: Schminken (ja, auch die Herren!)
- 19:45 Uhr: Letzte Textänderungen – manchmal werden Sätze live umgeschrieben
- 19:58 Uhr: Atemübungen hinter der Bühne
- 20:00 Uhr: „Guten Abend, meine Damen und Herren…“
Und nach genau 15 Minuten ist Feierabend – zumindest vor der Kamera. Danach kommen oft noch die 22-Uhr- oder 0-Uhr-Ausgaben dazu.
Die Kunst der perfekten Aussprache – Warum „Tagesschau-Deutsch“ eine eigene Sprache ist
Wer einmal versucht hat, einen Tagesschau-Text vorzulesen, merkt schnell: Das ist Hochleistungssport für die Zunge. Es gibt sogar den Begriff „Hochdeutsch nach Tagesschau-Norm“. Ein paar Beispiele:
- Montenegro wird „Monte-NEG-ro“ betont (nicht „Monte-ne-GRO“)
- Kyiv statt Kiew
- Kein „Datencenter“, sondern „Daten-Zentrum“
Und wehe, man verschluckt ein „r“ oder sagt „die Ukraine“ statt „Ukraine“ – die Zuschauerpost kommt sofort.
Die Herausforderungen der letzten Jahre – Corona, Krieg, Klimakrise
Gerade in schwierigen Zeiten zeigen die Tagesschau Sprecher, warum sie so wichtig sind. Während der Pandemie saßen Judith Rakers und Jan Hofer teilweise allein im Studio – ohne Redaktion im Rücken. Beim Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine mussten Meldungen manchmal sekundenaktuell umgeschrieben werden. Und doch: Die Stimme blieb ruhig, der Blick klar. Genau das gibt Millionen Menschen Halt.
Die neuen Gesichter – Diversität und Verjüngung
In den letzten Jahren hat sich viel getan. Mit Linda Zervakis (bis 2021), Aline Abboud oder der jungen Susann Atwell wird das Team bunter und weiblicher. Auch Menschen mit Migrationsgeschichte sind inzwischen fester Bestandteil. Das ist kein Zufall – die ARD will das Deutschland von heute abbilden.
Warum wir den Tagesschau Sprecher so sehr vertrauen
Studien zeigen: Die Tagesschau hat nach wie vor die höchste Glaubwürdigkeit aller Nachrichtensendungen in Deutschland. Und ein großer Teil dieses Vertrauens hängt an den Sprecherinnen und Sprechern. Sie sind keine Stars im klassischen Sinne – und wollen es auch gar nicht sein. Sie sind das verlässliche Gesicht in stürmischen Zeiten. Und genau das macht sie unverzichtbar.
Fazitt
Ob jung oder alt, ob in Ost oder West – wenn um 20 Uhr die vertraute Melodie erklingt und ein Tagesschau Sprecher „Guten Abend“ sagt, dann wissen wir: Die Welt mag sich noch so schnell drehen, hier gibt es jemanden, der uns sachlich, ehrlich und ruhig durch den Tag begleitet. In einer Zeit von Fake News und Social-Media-Chaos sind diese Frauen und Männer mehr als nur Moderatoren – sie sind Anker. Und das wird hoffentlich noch sehr, sehr lange so bleiben.
FAQs
1. Wie viel verdient ein Tagesschau Sprecher eigentlich?
Das genaue Gehalt ist nicht öffentlich, liegt aber laut Branchenschätzungen bei fest angestellten Sprechern zwischen 80.000 und 120.000 Euro brutto im Jahr – je nach Dienstalter und Zusatzaufgaben.
2. Darf ein Tagesschau Sprecher privat politisch Stellung beziehen?
Nein. Der ARD-Staatsvertrag und interne Richtlinien verbieten jegliche parteipolitische Äußerung. Selbst auf privaten Social-Media-Kanälen müssen sie extrem vorsichtig sein.
3. Warum tragen sie immer die gleiche Kleidung?
Tun sie gar nicht! Aber durch den blauen Hintergrund und die strengen Vorgaben (keine Streifen, keine knalligen Farben) wirkt es oft so. Tatsächlich haben sie mehrere ähnliche Outfits im Schrank.
4. Wer schreibt eigentlich die Begrüßung „Guten Abend, meine Damen und Herren“?
Das ist Tradition seit 1952. Jan Hofer hat den Satz zwar besonders populär gemacht, aber jeder Sprecher darf ihn leicht variieren – die meisten bleiben aber beim Original.
5. Gibt es bald einen Tagesschau Sprecher mit KI-Stimme?
Stand 2025: Nein. Die ARD betont immer wieder, dass die menschliche Stimme und das persönliche Vertrauen nicht ersetzbar sind. Und wir Zuschauer sind wohl auch noch nicht bereit, „Guten Abend“ von einem Computer gesagt zu bekommen.

